Auch von Bizzarini: ATS

Mit Carlo Chiti gründete Bizzarini die Automobili Turismo e Sport (ATS), was ebenso wie seine eigene Firma unter dem Namen Bizzarini jedoch kein finanzieller Erfolg war. Herausgekommen ist jedoch dieser erstaunliche Sportwagen, der ATS. Quelle: thor006 / wikipedia

Auch der ATS ist ein Mittelmotor-Wagen. Bei ihm wurde das Belüftungsproblem durch große Einlässe an den Flanken gelöst. Quelle: Brian Snelson / wikipedia.

Ein sehr klassiche Front geht beim ATS in eine eher langes Heck über. Quelle: Luc006 / wikipedia.

Giotto Bizzarrini

Der Bizzarini 5300 GT ist eines der wenigen Autos, das den Namen des italienischen Konstrukteurs trägt und ein Front-Mittelmotorwagen. Quelle: Luc 106 / wikipedia

Giotto Bizzarrini ist Diplom-Ingenieur mit Abschluss an der Universität Pisa und hat eine imposante Liste an prominenten Arbeitgebern, die sich wie das Who-is-Who der italienischen Autoproduzenten lesen. Er wurde in einem kleinen Dorf Quercianella in der Provinz Livorno / Italien am 6. Juni 1926 geboren. Sicher ist er einer der profiliertesten Sportwagenkonstrukteure Italiens. Bei Lamborghini jedoch ging es weniger um die Konstruktion kompletter Autos, dafür hat er der Firma etwas anderes entwickelt: den famosen 12-Zylinder-Motor.

Bizzarini studierte an der Universität Pisa Ingenieurswissenschaften. In seiner Abschlussarbeit soll er ein komplettes Auto von null an konstruiert haben. Doch zunächst blieb er nach dem Abschluss als Lehrer an der Universität.

Gleich seine erste Arbeit für die Industrie wurde zur Legende: Kein geringeres Auto als den 250 GTO entwarf er für Ferrari. Renzo Rivolta war damals der Besitzer von Iso, einer weiteren Sportwagenmanufaktur. Zuerst sollte Bizzarini für ihn nur den britischen Gordon GT überarbeiten. Das war ein ziemlich kompaktes, eher durchschnittlich aussehendes Coupe, welches jedoch eine herausragende Eigenschaft hatte: Den Antrieb übernahm eine US-V8-Maschine aus Chevrolets Corvette, die Bizzarini sofort als passend empfand. Später würde er auf die Kombination US-V8 und italienisches Design noch öfter zurückgreifen.

In dieser Zeit gründete Bizzarini seine eigene Beratungsfirma in Livorno, Autostar. Sein Beratervertrag mit Rivolta endete 1963, dem Geburtsjahr der Sportwagenschmiede von Ferruccio Lamborghini. Hier entwarf er in nur vier Monaten den legendären 12-Zylinder mit anfangs 350 PS. Jedoch war Lamborghini nicht ganz zufrieden. Ihm schwebte ein kultivierter Motor für seine GT vor, er bekam jedoch als Prototyp ein Aggregat, das eher an Rennwagenmotoren erinnerte. Die nur 3,5 Liter große Maschine brachte ihre Höchstleistung in der Urform erst bei 9.000 U/min.

Der rennsportbegeisterte Bizzarini wollte auch bei seinem nächsten, neuen und gleichzeitig alten Auftraggeber, Rivolta, nicht von seiner Liebe lassen. Zwar entwickelte er den Iso Grifo, einen eleganten GT, entscheidend mit, doch eigentlich stand ihm der Sinn nach einer Rennmaschine.

Nach einem Streit mit Rivolta verließ er auch diese Firma. Rivolta behielt zwar die Namensrechte an "Grifo", jedoch konnte Bizzarini niemand die Grundkonzeption des Wagens nehmen. So entstand ein neues Auto, das auf den ersten Blick nichts mit dem Iso Grifo zu tun hat, die jedoch unter dem Blech mehr als gedacht verbindet: Ebenso wie der Grifo vertraute der jetzt endlich Bizzarini 5300 GT getaufte Wagen auf einen amerikanischen V8, der zudem vorne eingebaut war. Mit seinem extrem nach hinten - hinter die Vorderachse - versetzten V8-Motor gilt der 5300 GT als einer der ersten offiziellen Front-Mittelmotorsportwagen. Das Auto ließ sich sehr gut fahren udn zählte mit zu den schnellsten Sportwagen seiner Zeit, den es auch in einer Rennversion gab.

Ein wirtschaftlicher Erfolg war der Wagen nicht, doch Bizzarini focht das nicht an. Später arbeitete er für Opel, General Motor und weitere Namen in der Automobilhistorie, doch für Lamborghini schuf er den 12-Zylinder, der in weiterentwickelter Form heute noch gebaut wird.